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Der Funken brennt

Von 28. Februar bis 1. März steht das Montafon ganz im Zeichen des Funken-Brauchs. Mit Feuer, Rauch und einem lauten Knall werden am traditionellen Funkenwochenende die „Dämonen des Winters“ aus dem Ländle vertrieben.

Der alemannische Brauch, der bis heute in Vorarlberg und der Schweiz praktiziert wird, stammt aus vorchristlicher Zeit und symbolisiert das stärker werdende Licht des Frühjahrs. Am Wochenende nach dem Aschermittwoch werden im Montafon über zwanzig Funken aufgestellt – so viele wie nirgends sonst. Bei freiem Eintritt zu allen Funken-Veranstaltungen ist das Wochenende der unumstrittene Höhepunkt des Frühjahrs.

 

700 Stunden Vorarbeit

Damit das Spektakel sicher über die Bühne gehen kann, ist einiges an Arbeit nötig. Die sogenannten Funkenzünfte des Montafons brauchen über 700 Arbeitsstunden, bis ihre Funken stehen. Der Holzstoß, der bis zu 30 Meter erreichen kann, wird mit alten Christbäumen, Stroh und Reisig gefüllt. Das ergibt ein besonders beeindruckendes Feuer-Schauspiel. Bei der Form des Funkens hat jede Funkenzunft eigene Vorlieben: Ob er vier-, sechs- oder achteckig aufgeschichtet wird, ist ganz ihnen überlassen. Auch sternförmige Funken gab es schon. Auf der Spitze wird aber immer die Funkentanne montiert, an der die Funkenhexe befestigt wird. Diese Hexe, eine mit Schießpulver gefüllte Puppe, die oft in Lumpen gekleidet ist, soll mit ihrer Explosion den Winter austreiben und den nahenden Frühling begrüßen.

Groß und Klein sind dabei

Auch für die jüngsten Funken-Bauer gibt es an diesem Wochenende einiges zu tun. In vielen Orten werden besondere Kinderfunken aufgestellt. Der „Funkenmeister“, der Chef der Funkenzunft, baut dabei mit den Kindern einen eigenen Funken auf, der dann vor dem eigentlichen Spektakel abgebrannt wird. Gemeinsam werden auch Fackeln hergestellt, die während des Abbrennens des Funkens geschwungen werden. Bei den Funkenbauern selbst sind die Rollen ganz traditionell verteilt: Während sich die Männer der Funkenzunft um die Holzarbeiten kümmern, organisieren die Frauen die Bewirtung der fleißigen Helfer und der Zuschauer.

 

Eine schlaflose Nacht

Wenn der Funken steht, ist die Arbeit noch nicht getan. Nun beginnt die Funkenwache. Denn nicht selten kam es in früheren Zeiten vor, dass die Jugend aus den Nachbardörfern den Funken schon frühzeitig anzündete und somit das schöne Schauspiel vereitelte. Mittlerweile ist der lustig gemeinte Streich aber strafbar und wird zum Glück kaum noch praktiziert. Eine gute Gelegenheit den Abend gemeinsam mit Freunden zu verbringen, bietet die Funkenwache aber natürlich immer noch. Oft gibt es mittlerweile richtige „Funken-Partys“, auf denen mit Live-Musik und regionalen Schmankerl die Funken-Nacht gemeinsam gefeiert wird.

 

Feuriger Abend

Jetzt ist es endlich soweit: Bricht am Sonntagabend die Dunkelheit herein, wird der Funken entzündet und das Schauspiel beginnt. Begleitet von Musik, bestaunt das Publikum den brennenden Holzturm. Zusätzlich werden von mutigen Zuschauern brennende Fackeln geschwungen und in Tschagguns gibt es sogar ein Riesen-Fackelrad, das für atemberaubende Szenen sorgt. Wenn der Funken in sich zusammenfällt, bevor die Funkenhexe explodieren kann, bringt es angeblich Unglück. Wenn das passiert, beerdigt die Funkenzunft die Hexe eine Woche später in einer eigenen Zeremonie.

Köstlicher Brauch

Kulinarisch hat das Funkenwochenende auch einiges zu bieten. Nicht ohne Grund wird der Funkensonntag auch „Küachli-Sonntig“ genannt. Die schmackhaften „Funka-Küachli“, runde, gold-gelb gebackene Teigstücke, gehören zu dem Brauch einfach dazu. In einer etwas anderen Form, als „Polsterzipfel“, haben wir Ihnen die „Küachli“ schon einmal vorgestellt. Hier geht es zum Rezept.

Hier finden Sie alle Funken-Termine im Montafon.

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